Vernetzte Gesundheit - Gestaltungsaufgabe für alle Akteure

Es gibt kaum einen Kongress, auf dem er nicht beschworen wurde. Alle sprechen über ihn und von ihm – aber was macht er eigentlich der Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik, im Gesundheitswesen, in der Gesundheitsversorgung oder der Gesundheitswirtschaft? Er hat gezeigt, dass Gesundheit nicht nur Kostenfaktor ist, sondern auch: Wachstumsmotor, Boombranche, Standortfaktor, Arbeitsbeschaffung etc. Und das insbesondere für Schleswig-Holstein. Hier ist jeder 5. Arbeitsplatz einer in der Gesundheitswirtschaft. Soweit, so gut und auch so wichtig.

Aber das allein reicht nicht, um die Gesundheitsversorgung der Menschen im Land zu sichern. Zukunftssichere Gesundheitsversorgung in unserer Gesellschaft braucht Vernetzung der Akteure. Da muss ein weiterer Paradigmenwechsel her – einer in den Köpfen. Denn Vernetzung macht vor niemandem halt und schert sich nicht um Sektoren- oder Budgetgrenzen. Vernetzung lebt von Vielfalt. Wachstum gibt es dabei auch - denn das heiß nichts anderes als Vernetzen ohne Grenzen. Die Entwicklungen in der Gesellschaft – natürlich auch die demographische -  macht allen Gesundheits-Akteuren gleichermaßen Handlungsdruck. Hohe Zeit, darüber zu reden; auf dem Kongress zum Thema „Vernetzte Gesundheit – Lösungsansätze für die regionale Gesundheitsversorgung“ in Kiel war die Gelegenheit. Über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Sie genutzt und sich über Vernetzung aus und in den verschiedenen Bereichen der Gesundheitswirtschaft informiert und darüber diskutiert.

Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg hat es so formuliert: „Ich bin davon überzeugt dass Vernetzte Gesundheit für uns alle – Gesundheitspolitiker und die Gesundheitswirtschaft – bei unterschiedlichen Perspektiven dennoch ein gemeinsamer Schlüsselbegriff für Leistungs- und Zukunftsfähigkeit ist. Vernetzung ist ein Schlüssel für die künftige regionale Gesundheitsversorgung ebenso wie für die wirtschaftlichen Chancen, die der gesundheitswirtschaftliche Sektor bietet. Vernetzung braucht gesetzliche Rahmenbedingungen. Voraussetzungen dafür, dass sich sowohl Wettbewerb als auch Kooperationen unter fairen Bedingungen entfalten können. Vernetzung brauch auch mehr Entscheidungskompetenz dort, wo sie gebraucht wird: Vor Ort. Da gibt es noch viel zu tun. Bei aller Offenheit für neue Entwicklungen ist eines nicht wegzudefinieren: Es sind freiberufliche Ärzte und mittelständische Anbieter, die die wohnortnahe Versorgung gewährleisten. Sie bilden das Rückgrat unseres Gesundheitswesens. Wer mehr und erfolgreiche Vernetzung will, muss dafür sorgen, dass niemand übervorteilt wird. Die Entwicklung und Gestaltung neuer Versorgungsformen darf nicht dazu führen, dass Versorgungsmonopolisten entstehen. Vernetzung ist keine Bedrohung. Vernetzung ist eine Chance – für alle Akteure in der Gesundheitswirtschaft – wenn sie auf Augenhöhe und gemeinsam gestaltet wird. Vernetzung lebt von Transparenz – auch dem Patienten gegenüber.“

Neu bei diesem Kongress: die Cross Coaches. Quer zu allem und allen – auch den Moderatoren – durften sie „stören“, nachfragen, präzisieren. In der Abschlussveranstaltung zogen sie das Resümée des Kongresses: Vernetzung bleibt für alle Beteiligten eine immerwährende Gestaltungsaufgabe. Gute Beispiele müssen kommuniziert und ausgebaut werden. Das Potential ist längst noch nicht ausgeschöpft – Vernetzung beginnt schon im „Quartier“. Gute Medizin in der Fläche zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten ist kein Schmusethema – umso wichtiger, dass es auf die Tagesordnung kommt. Transparenz ist wichtig, der Patient muss eine größere Rolle spielen und wirklich im Zentrum des Geschehens stehen.  

Der Publikumstag als neues Element – Transparenz schaffen und Neugier wecken. Für die Themen und Veränderungen im Gesundheitssystem, die alle Menschen betreffen, sie aber nicht immer erreichen. Mehr dazu hier.